Montag, 29. März 2010

Auszeit aufm Darß

Nuntja. Also wahnsinnig erkenntnisreich waren die drei Tage Auszeit jetzt nicht, aber sie waren auf jeden Fall wieder normal verrückt. Und erholsam. Letzten Mittwoch wachte ich morgens auf und mein rechter Fuß tat weh. Als ob ein Nerv eingeklemmt ist. "Ischias" schoss mir durch den Kopf, "aber das ja Blödsinn, wie kann der was mit dem Fuss zu tun haben!". Jedenfalls konnte ich den ganzen Tag nur mühsam laufen und Abends befand die Ärztin meines Vertrauens: Ischias. Donnerstag also schonen, damit ich am Wochenende lauffähig bin.


Dünen zwischen Kiefern und Meer

Bevor ich mich am Freitag Vormittag auf den Weg machte, erklärte mir Google Maps noch den Weg, nach Fischland-Darss. Genauer gesagt nach Prerow, da wollte ich nämlich spontan hin. 2000 war ich schon mal dort und hab zusammen mit Freunden ein Soccer-Tunier für die Internetbranche vor Ort organisiert. Schon ganz schön lange her, aber ich erinnerte mich an die wundervolle Landschaft... weiter Sandstrand, der in die Dünen übergeht, die direkt in einen KieferUrwald übergehen... Noch schöner als Sylt.

Prompt verfuhr ich mich, meine Papierstraßenkarte ist auch schon älter, aber macht nix, also einfach noch ein bisschen durchs Inland gurken. Irgendwann kam ich in Prerow an und landete tatsächlich dort, wo wir damals auch übernachtet hatten - sagte mir mein Erinnerungsvermögen, welches auf einmal vor Ort wieder einsetzte. Da ich keine Unterkunft hatte (nicht so einfach, über Internet und mit Hund in MacPomm) fuhr ich tatsächlich einfach mal direkt zur Touristeninformation (was ich mein Leben noch nicht gemacht hab); Angeregt durch das Schild "elektronischer Zimmernachweis", welches im Laufe der Straßenführung auf einmal verschwand. Vor der TouriInfo hing diese fiese Werbewand, die man so kennt und auf der Pensionen, Restaurants usw vorgeschlagen werden, die man also meiden sollte. Dort entdeckte ich die Pension Voß, zu der ich prompt hinfuhr. Großes Grundstück mit diversen Nebenhäusern, Hund erlaubt und ich der einzige Übernachtungs-Gast (Nebensaison). 35 Euro für ein kleines Apartement mit Balkon. Frühstück 5 Euro extra (dummerweise nur bis 10h). 500m zum Strand. Kurz: So in etwa hatte ich mir meine Unterkunft vorgestellt :)

Blick vom Hauseingang der Pension Voß

Endlich wieder ein Balkon! Trotz frostiger 3 Grad blieb die Tür-nach-Draußen in der Nacht auf (ich muss zugeben, ich habe die drei Tage eigentlich fast immer gefroren aber das war es wert). Der nächste Tag begann wie er endete, wettertechnisch: Kalt und nass. Nichts zum lange draußen sitzen und Utopien sinnieren. Also auf zur Steilküste bei Ahrenshoop! Oben hin, nach Wustrow, unten zurück - dachte ich mir so. Nach anderthalb Stunden Aufwärmen im Café in Wustrow-Strand - draußen bei Glühwein weil Raucher - und danach zurück. Flut brauchte ich nicht zu befürchten (sah schon ziemlich eng aus, das Ganze, von Oben auf dem Hinweg), sagt mir die Kellnerin. Unterwegs kommt mir ein tougher Jogger entgegen, also muss man da ja irgendwie längs gehen können. Schade, das ich keine Gummistiefel anhatte, länger als ein paar Meter barfuss im Wasser waren nicht drin, bei 3Grad Wassertemperatur. Irgendwann war der Weg zu blockiert - Zuviel Steilküste war matschig runtergebrochen, im letzten Sturm, Mist! Also wieder den ganzen Weg zurück am Strand (leider sind auch die Treppenstrandzugänge auf diesen Kilometern abgebrochen) und hinauf. Dafür belohnte mich der echt lange Spaziergang über Stock und Stein und Matsch und Sand mit einem fantastischen Sonnenuntergang, der mich, nach einer FußbodenHeizungsAufwärmPause im Apartement, wieder kurz an den Strand lockte.

Abends schaltete ich fix und fertig den Fernseher ein und landete, so ohne Fernsehzeitschrift, aus Versehen in einem Film, in der in den Bereich "Übersinnliches" passt. Danach kurz noch zu Tommi umgeschaltet, grad rechtzeitig bei dem Typ mit der Sternenwette gelandet. Danach erschöpft ausgemacht und schlafen gegangen.


Ziemlich steinig und vermatscht, die Steilküste bei Ahrenshoop - Aber schön!

Sonntag, wieder diesig. Immer noch kalt. Vorteil: Fast keiner unterwegs, außer Marun und mir...
Zwischen ausgiebigen Strandgängen las ich das Buch, welches ich mitgenommen hatte und stellte fest, das ich wohl zumindest die Begebenheiten in dieser kleinen Auszeit direkt auf mich beziehen könnte (wenn schon keine "so-gehts-weiter" und ähnliche Erkenntnisse kamen)... Ich stellte fest, dass der Roman zwischen 1920 und 1955 spielte (gleich am Freitag begegnete mir Frau Voß Senior, 91 Jahre alt, und fing an zu erzählen, wie das so war, als die Sudeken in Nordvorpommern waren und überhaupt, damals) und außerdem genau in der Gegend in der ich mich befand! Was für ein Zufall ;)

Abends, endlich, klarer Sternenhimmel, also noch mal Vollmondspaziergang um Mitternacht. Schlafen. Montag Morgen, endlich Sonne! Marun sitzt seltsam neben mir und meinem Kissen. Soll sich gefälligst wieder auf die Decke neben meiner legen, die ich brav mitgebracht hab. Strandspaziergang, und danach, endlich, lecker Kaffee trinken und gedanklich-und-anners-abschweifend auf dem Balkon sitzen... Eine Freundin taucht ständig auf, überlege schon, eine sims zu schreiben, obs ihr gut geht, fühlt sich aber nicht so an, als ob das "notwendig" wäre. Ich stelle fest, das ich irgendwie nicht weiterkomme. Nix Visionen, Utopien, nur das, was ich sowieso schon wusste: Ich brauch wirklich wieder einen Balkon (ist für mich das Verbindungselement von draußen und drinnen, wenn ich in einer Wohnung wohne) und mehr Verknüpfung mit schöner Naturumgebung. Geh wieder rein, schon mal Ordnung machen, weil Abreisetag. Stelle beim Bettherrichten fest: Ach Du scheiße.


Toben, Plantschen, Rennen, Wälzen... Marun im Glück

Weiß ja schon seit einiger Zeit, das Marun meine Inneres, oder sagen wir besser: kompliziert gelebtes nicht im Flow, ausdrückt. In letzter Zeit äußert sich das u.a. so, das er spontanpinkeln muss und nicht mehr rechtzeitig Bescheid geben kann. Na toll. Heut Nacht auch. Alles rausgeschafft, zum Trocknen und noch einen Kaffee auf dem Sonnenbalkon. Ich glaub, ich sollte das auch mal kineosologisch für ihn austesten, ist ja kein Zustand so - während ich überlege, wer das mit mir machen könnte, fängt der Rest von mir schon mal an! Ganzheitliches Multitasking sozusagen. Jedenfalls merke ich, dass die Antworten über den inneren Film "Methode Kineosologie" von selber kommen. Wär praktisch, bin aber noch nicht sicher, ob ich dem trauen kann.

Mir fällt auf einmal die Aufstellung ein, die ich vor kurzem mit der Freundin, die mir durch den Kopf geisterte, gemacht hatte. Ich war selbst ein kleiner Teil davon und die Begriffe, die zu meiner Person fielen, waren in etwa: "Herz, Verstand, [noch irgendwas] aber irgendwie blockiert". So kams mir jetzt auch vor. Muss ich auflösen. 10 Jahre Arbeit und immer noch! Nee, echt.

Noch ein schöner Abschluss-Strandspaziergang, dann Abfahrt. Nach ca. 10 Kilometern fällt mir auf, das mein Lenkrad komisch steht. Wenn ich gerade fahren will, muss ich den Lenker nach links drehen - wenn Lenker grade, fährt "Kawischa" nach rechts. Auch das noch. Meine Blockade hat die Materie bestens im Griff. Vorsichtshalber auf einen Parkplatz und unter das Auto gucken... die Verbindung vom rechten Rad zur Mitte hat einen anderen Winkel als die vom linken Rad. Na prima. Nach kürzester Zeit ist der ADAC da und befindet: Kannste ruhig nach Hamburg fahren, da ist nichts gebrochen, aber da dann überprüfen lassen! Also weiterfahren. Da ja auf der Hinfahrt Autobahnverfahren, fahre ich zurück eine andere Strecke - Und komme tatsächlich durch einen der Orte, die im Buch erwähnt sind, Gelbersand (oder so ähnlich). Langsam muss ich wieder lachen. Außerdem spinnt nun mein linker Blinker. Und zwar ziemlich hektisch, als obs ihm nicht schnell genug geht. Um 19.33h sagt die Newsmoderatorin, es sei 20.03 und für eine halbe Stunde glaube ich fälschlicherweise, das nun auch noch meine Autouhr stehengeblieben ist: Das war kurz, nachdem ich die Ausfahrt von der A20 auf die A1 nach Hamburg verpasst hatte.


Schönes Strandende

Während ich dies schreibe warte ich übrigens die ganze Zeit auf raphaels n'joy abstrait, weil heut doch eigentlich Sonntag ist. Oder haben wir Montag den 13.? Egal, Ich habs trotz ausgiebiger Blockaden wieder heil zurück nach Hamburg geschafft und als die Autobahn direkt in die City-Strasse überging und ich an der Ampel stand, gingen die (Straßen)Lichter an. Marymi is back und die Lichter gehen an in Hamburg, na wenigstens etwas! ;)

Eure marymi :)

Dienstag, 23. März 2010

Nur mal schnell zwischendurch...

Ich muss mal wieder schreiben... finde ich. Da mir das aber zur Zeit schwer fällt, fällt der aktuelle Statusbericht ziemlich kurz aus... oder vielleicht auch nicht, ich weiß noch nicht.

Dies sind grad verdammt schwere Zeiten. Eigentlich hab ich nicht damit gerechnet, das es schlimmer kommen kann, als es schon mal war. Oder genauso schlimm. Im Moment sind echt krasse Energien am werkeln, sie stellen das ganze Leben auf den Kopf. Ich dachte, das macht mir nix, bin ich ja gewohnt... aber mein bisheriges Umgangsprinzip mit Situationen-schwierigster-Art funktioniert nicht mehr. Tröstlich ist, das ich diesbezüglich viele Synchronizitäten sehe... also das so einige "alte" Dinge auf ihre Art nicht mehr funktionieren, meine ich.

Was ich jedenfalls nicht mehr hinbekomme, ist das sich-rausziehen-und-auf-distanz-gehen-können. Was sehr hilfreich in mind. den letzten 10 Jahren war. Was bedeutet, das ich direkt in die Emotionalität gehen muss. Was zur Folge hat, das ich sowas von nah-am-Wasser-gebaut-bin, das ich eigentlich auch gleich als Swimmingpool durch die Welt schwimmen kann. Natürlich ist mir völlig klar, dass das genau "hier und heute" stimmig ist. Aber der Bademeister ist halt nur der Aufpasser und nicht selbst der Schwimmer.

Meine aktuellsten Eindrücke und Erkenntnisse, an denen ich so gerade so rumknabber, sind "Vollständigkeit" und "Utopie".

"Vollständigkeit": Vielleicht gibt es einen ganz eigenen, individuellen Wert (im Sinne von Urprinzip), dem man folgt... und für den man sich - vielleicht - bewusst entscheidet... und welcher dann all die anderen (schönen) Werte und Eigenschaften, die man vielleicht gerne in seinem Leben möchte, nach sich zieht (wie: Liebe, Glücklichsein etc). Was wäre dieser Wert für Dich...? Mir ist er nie eingefallen. Eine gute Freundin schlug mir "Vollständigkeit" vor... und wenn ich darüber nachsinniere, dann kann ich vieles (Handlungen, Sehnsüchte etc) in meinem Leben anhand dieses Prinzips nachvollziehen. Und bin am überlegen, was wohl passiert, wenn ich mir für diesen Wert in meinem Leben bewusst entscheide...

"Utopie": Ich fand mich mit meinen Ideen selbst zwar nie wirklich "visionär", aber andere wohl irgendwie. Wenn ich auf mein Leben schaue, auf meine Ideen und auf die "Realität", dann erscheinen mir doch viele "Zukunftsgedanken" als wohl zu groß und zu weit weg. Das Ungeheuerlichste, auf das ich tatsächlich nie selbst gekommen wäre, ist: Davon auszugehen, das all diese Gedanken und Ideen von einer Welt, die wir nicht haben, ich aber fühle und weiß das sie irgendwann da sein wird, noch zu klein sind... das sie nur einzelne Puzzleteilchen eines Ganzen sind, was ich fühlen und sehen könnte, wenn ich es erlaube, und welches (noch) wesentlich größer ist. Und da ist mir aufgefallen, das meine Stärke (und Schwäche) immer war, eine (reale) Welt zu sehen, die die allermeisten sich vermutlich nicht mal vorstellen könnten. Und ich muss feststellen, das ich selbst schon sehr sehr lange nicht mehr in der Lage bin, mir diese... meine Utopie zu träumen. Mir die Zeit dafür nicht nehme und eigentlich wohl irgendwie auch aufgegeben habe. Diesbezüglich. Komisch oder...

So kenne ich mich gar nicht. Und es ist mir gar nicht aufgefallen, die letzten Jahre... und da schnürts mir wirklich den Hals zu. Vor einer Woche war ich wirklich ein bisschen böse mit einer Freundin... weil sie ihr Potenzial nicht nutzt und so vielen Menschen was zu sagen (zu singen) hat! Wenn ich ich bin und gleichzeitig sie und wir zwei beide da so sitzen würden, auf meiner Couch... dann müsst ich mir heute dasselbe sagen. Was gut so ist. Weil es sich im Moment so anfühlt, als obs die "Utopie" ist, die ich wirklich wirklich weitergeben sollte... also meine WeltUtopie. Weil die mit unserer Welt, und Euch, verbunden ist. Ich also was greifbares habe, einen nächsten Schritt.

Okay, doch länger geworden, der Eintrag in mein Tagebuch... was ich jetzt dringend brauche, ist ein Ort, an dem ich träumen kann. Und schreiben. Dafür brauche ich Wasser (ein Swimmingpool reicht nicht)... und Natur. Eine gastfreundliche Oase. Für mich, meinen Schmucker und Marun. Falls also jemand von Euch etwas weiß, gebt mir Bescheid...

Eure marymi

Und an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich Euch, meinen Freunden, danken, die Ihr mich tragt und mir mein Fundament meiner Weiterentwicklung sind... und die ich namentlich nicht nennen muss, weil jeder von Euch weiß, wen ich meine. Danke schön...